Ratgeber · Schützenfest

Schützenfest: Helfer und Schichten planen

Beim Schützenfest marschieren genau die Leute im Festzug mit, die ihr an der Theke bräuchtet. So plant ihr die Dienste um das Programm herum.

Ein Schützenfest hat ein Problem, das andere Vereinsfeste so nicht kennen. Die aktivsten Mitglieder sind während der Hälfte des Festes gar nicht verfügbar. Sie laufen in Uniform im Festzug, stehen beim Königsschießen am Stand, tragen die Fahne oder sitzen als Hofstaat am Königstisch. Gleichzeitig muss im Festzelt jemand zapfen, am Imbiss jemand Bratwurst wenden und am Montagmorgen jemand das Zelt ausräumen.

Wer den Helferplan wie bei einem gewöhnlichen Sommerfest aufzieht, also erst Stationen, dann Schichten, dann Aufruf in der Gruppe, merkt das spätestens am Samstagnachmittag. Da fehlen an der Theke drei Leute, weil alle beim Antreten sind. Dieser Artikel zeigt einen anderen Weg: zuerst das Festprogramm auseinandernehmen, dann die Dienste darum herum bauen.

Erst das Programm, dann die Dienste

Legt den Festablauf neben eine leere Tabelle und schreibt zu jedem Programmpunkt, wer dabei gebunden ist. Klingt banal, ist aber der Schritt, der in den meisten Vereinen übersprungen wird, weil „das ja jeder weiß“. Jeder weiß es ungefähr. Für den Plan braucht ihr es genau.

Erst das Programm, dann die Dienste
Programmpunkt Wer ist gebunden Wer kann in der Zeit Dienst machen
Antreten und Festzug Alle uniformierten Mitglieder, Musikzug, Fahnenträger, Königspaar und Hofstaat Fördermitglieder, Partner, Ehemalige, Freunde des Vereins
Königs- oder Vogelschießen Schützen, die mitschießen, Schießaufsicht, Auswertung Alle, die nicht um die Königswürde schießen
Proklamation und Königsball Neues Königspaar, Hofstaat, Vorstand für Ehrungen Jüngere Mitglieder, Damenabteilung, Helfer aus befreundeten Vereinen
Frühschoppen Eventuell Musikzug Fast alle, sofern sie in der Nacht nicht bis zum Schluss gezapft haben

Die rechte Spalte ist euer eigentlicher Helferpool für die jeweilige Zeit. Wenn da beim Festzug nur fünf Namen stehen, ihr aber am Getränkewagen am Straßenrand und im Zelt zusammen neun Leute bräuchtet, wisst ihr das jetzt und nicht erst am Festtag. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Stationen während des Zugs schließen oder gezielt Leute von außen anfragen.

Welche Stationen ein Schützenfest typischerweise hat

Jedes Fest ist anders, aber die Liste sieht in vielen Vereinen ähnlich aus. Im Festzelt gibt es die Theke, oft mit eigener Bonkasse, dazu die Spüle oder ein gemietetes Spülmobil. Draußen kommen Imbiss, Getränkewagen und je nach Größe ein Kaffee- und Kuchenstand für den Sonntagnachmittag dazu. Beim Königsball wird manchmal Eintritt kassiert, dann braucht ihr Leute am Einlass und an der Garderobe.

Beim Festzug kommen Ordner an den Straßenkreuzungen dazu, wenn die Strecke nicht vollständig von Polizei oder Feuerwehr abgesichert wird. Was davon euer Verein stellen muss, steht in der Genehmigung bzw. den Auflagen der Gemeinde. Fragt dort nach, bevor ihr Ordner einplant oder weglasst.

Und dann sind da die Schichten, die keiner sieht: Toilettenwagen kontrollieren und Papier nachfüllen, Müll am Zelt einsammeln, Leergut sortieren, nachts das Zelt abschließen.

Sonderfall Schießstand

Die Aufsicht beim Königs- oder Preisschießen gehört nicht in die offene Helferliste. Nach § 10 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung muss eine Aufsichtsperson volljährig sein und die nötige Sachkunde haben. Sie muss der Behörde vorher angezeigt werden, bei Vereinen anerkannter Schießsportverbände reicht stattdessen die Registrierung im Verein. Das klärt euer Schießmeister. In den Helferplan gehört nur, was um den Stand herum anfällt: Startkarten ausgeben, Ergebnisse notieren, Getränke für die Schützen.

Beispiel-Schichtplan von Freitag bis Montag

So könnte der Plan für ein Fest mit Festzelt aussehen, bei dem samstags Festzug und Königsball stattfinden, sonntags Frühschoppen und Familiennachmittag und montags der Abbau. Die Platzzahlen sind ein Beispiel und hängen von eurer Zeltgröße ab.

Beispiel-Schichtplan von Freitag bis Montag
Tag Zeit Station Plätze Hinweis
Fr16:00 bis 20:00Zelt einräumen, Theke aufbauen10Zeltbau selbst macht oft der Verleiher
Sa14:00 bis 17:00Getränkewagen an der Zugstrecke3Nur Nicht-Uniformierte
Sa17:00 bis 20:00Theke Festzelt6Nach dem Zug wird es voll
Sa20:00 bis 23:00Theke Festzelt8Königsball, Spitzenzeit
Sa23:00 bis 02:00Theke und Zelt schließen5Mit Schlüsselverantwortung
Sa19:00 bis 23:00Bonkasse2Wechselgeld vorher zählen
Sa18:00 bis 01:00Spüle und Leergut63 Blöcke à 2 Personen, gern unterschätzt
So10:30 bis 13:30Frühschoppen Theke4Nicht die Spätschicht von Samstag
So14:00 bis 17:00Kaffee und Kuchen3Kuchen vorher über Mitbringliste
Mo09:00 bis 13:00Abbau und Zelt räumen12Früh anfragen, Montag ist Arbeitstag

Auffällig ist der Montag. Wer berufstätig ist, kann da meist nicht. Fragt deshalb früh Rentner, Schüler in den Ferien, Selbstständige und alle, die sich ohnehin Urlaub für das Fest nehmen. Wenn das nicht reicht, ist ein Abbau am Sonntagabend direkt nach dem Familiennachmittag oft die bessere Wahl, auch wenn dann noch ein paar Gäste herumsitzen.

Rechenweg für die Theke am Königsball

Die Theke am Samstagabend ist die Station, an der sich der ganze Abend entscheidet. Eine Faustzahl hilft hier wenig, weil Zelte, Zapfanlagen und Gäste zu unterschiedlich sind. Besser ist ein Rechenweg, den ihr mit euren eigenen Zahlen füllt.

Nehmen wir an, im Zelt sind zur Spitzenzeit 500 Gäste. Wenn ihr davon ausgeht, dass jeder ungefähr ein Getränk pro Stunde holt, sind das 500 Getränke pro Stunde, also gut acht pro Minute. Jetzt die eigentlich wichtige Frage: Wie viele Getränke schafft eine Person an eurer Theke in einer Stunde, inklusive Zapfen, Bon annehmen und Glas über den Tresen schieben? Das wisst nur ihr. Wenn ihr es nicht wisst, stoppt es beim nächsten Fest einmal zehn Minuten lang mit.

Angenommen, es sind 80 pro Stunde. Dann braucht ihr rechnerisch 500 geteilt durch 80, also rund sechs bis sieben Leute direkt an der Theke. Dazu kommt mindestens eine Person, die nur Gläser von der Spüle holt und Fässer wechselt, denn wer zapft, soll nicht ins Kühlhaus laufen. Und ihr braucht genug Zapfhähne: Sieben Leute an drei Hähnen stehen sich gegenseitig im Weg. In dem Fall lohnt eher eine zweite Ausgabe für Flaschen und alkoholfreie Getränke als eine achte Person am Tresen.

Züge und Kompanien als feste Einheiten

Viele Schützenvereine sind in Züge, Kompanien oder Abteilungen gegliedert. Das lässt sich für die Helferplanung nutzen. Ein Zug übernimmt geschlossen einen Block, zum Beispiel den Thekendienst am Samstag von 17 bis 20 Uhr, und der Zugführer sorgt dafür, dass seine Leute da sind. Das funktioniert erstaunlich gut, weil sich innerhalb eines Zuges niemand vor den anderen drücken will.

Es hat aber zwei Haken. Erstens bleibt die Arbeit an den Zügen hängen, die ohnehin zuverlässig sind. Zweitens fallen alle durchs Raster, die keinem Zug angehören: Partner, Fördermitglieder, Leute aus dem Dorf, die gern helfen würden. Für die braucht ihr offene Schichten, in die man sich ohne Anruf beim Vorstand eintragen kann.

Bewährt hat sich ein Mischmodell. Die großen Blöcke vergebt ihr fest an Züge, alles andere läuft über eine offene Liste. Wenn ihr ein Online-Tool nutzt, könnt ihr Helfer beim Eintragen ihrem Zug zuordnen lassen und seht dann, welcher Zug seinen Block schon besetzt hat. Mit einer Papierliste im Schützenhaus geht das auch, ihr müsst dann nur regelmäßig nachzählen und bei den Zugführern nachhaken.

Typische Fehler beim Schützenfest

  • Die Spätschicht vom Königsball steht am Sonntag um 10:30 Uhr wieder beim Frühschoppen hinter der Theke. Das passiert, wenn sich motivierte Leute überall eintragen. Schaut euch die Namen am Ende einmal pro Person an und fragt nach, ob das wirklich so gewollt ist.
  • Der Getränkewagen an der Zugstrecke wird mit Mitgliedern besetzt, die dann im Zug fehlen. Oder umgekehrt: Sie marschieren mit und der Wagen ist zu.
  • Die Spüle wird gar nicht als Schicht geplant. Ab 21 Uhr gehen die sauberen Gläser aus, und dann spült die Thekenmannschaft nebenbei. Die Schlange wird lang.
  • Niemand ist für das Schließen des Zeltes eingetragen. Am Ende sind es zwei Vorstandsmitglieder, die um drei Uhr nachts Kassen zählen.
  • Der Abbau am Montag wird erst in der Festwoche angefragt. Da hat niemand mehr Urlaub.

Papierliste oder Link?

Für ein kleines Fest mit einem Abend Festbetrieb reicht eine gut gemachte Liste im Schützenhaus vollkommen. Sobald es drei oder vier Tage mit mehreren Stationen sind und auch Leute helfen sollen, die selten ins Vereinsheim kommen, wird das mühsam. Dann ist eine Liste, die alle auf dem Handy sehen, die bessere Wahl. Wie ihr den Bedarf für alle Stationen durchrechnet, steht im Artikel Helferbedarf berechnen. Und wenn sich trotz guter Planung zu wenige melden, findet ihr in Helfer finden fürs Vereinsfest Ansätze, die über den Aufruf in der Gruppe hinausgehen.

Mit Schichtplan-Manager legt ihr die Schichten für alle Festtage in einem Event an, ordnet Helfer Gruppen wie Zügen zu und teilt einen Link, über den sich jeder ohne Konto einträgt.

Häufige Fragen zum Schützenfest

Wie viele Helfer braucht ein Schützenfest?

Das hängt vor allem an der Theke im Festzelt. Rechnet für den vollsten Abend aus, wie viele Getränke pro Stunde rausgehen, und teilt das durch das, was eine Person an der Theke schafft. Dazu kommen Kasse, Spüle, Imbiss, Ordner und Auf- und Abbau. Der Beispielplan in diesem Artikel kommt für vier Tage auf rund 60 Helferplätze, ohne Imbiss und Ordner. Viele Helfer übernehmen mehrere Schichten, deshalb stehen dahinter weniger Personen.

Wer darf beim Schützenfest die Schießaufsicht übernehmen?

Die Aufsicht am Schießstand ist keine normale Helferschicht. Nach der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung muss die Aufsichtsperson volljährig und sachkundig sein und der Behörde gemeldet oder im Verein registriert werden. Klärt die Besetzung mit eurem Schießmeister, nicht über die offene Helferliste.

Sollen Züge oder Kompanien feste Dienste übernehmen?

Für die großen Blöcke wie Thekendienst am Samstagabend oder den Zeltaufbau funktioniert das gut, weil der Zugführer seine Leute kennt. Für einzelne Lücken und für Leute, die keinem Zug angehören, sollte es zusätzlich offene Schichten geben, in die sich jeder selbst eintragen kann.

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